Katsdorfer mit Herz!

Gäbe es die Familie Dattinger nicht, würde es um die wohl wichtigste und bekannteste kulturelle Einrichtung Katsdorfs schlecht bestellt sein. Ewald Biermair für „Hand aufs Herz“ im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Kinos, Dr. Norbert Dattinger.

Norbert, erzählst du uns kurz über deinen persönlichen Werdegang?
Ich wurde am 16. Juli 1960 in einer – so wurde mir erzählt – stürmischen Regennacht zwischen zwei Kinovorstellungen geboren. Nach der Matura studierte ich Jus und bin seitdem als Jurist in der Arbeiterkammer Linz tätig.

Seit wann existiert das Kino in Katsdorf? Wer war damals verantwortlich dafür?
Das Kino wurde bereits 1947 vom damaligen Gastwirt Plank eröffnet und kurze Zeit später von der Gemeinde übernommen, die auch einen zweiten Projektor anschaffte. Zu dieser Zeit waren mehrere Filmvorführer tätig, wie z.B. Hans Wagner, Hr. Atzelsberger, Franz Asanger und mein Vater, der später seinen Job bei der Eisenbahn aufgab und bereits unter Bürgermeister Furtlehner zum Geschäftsführer des Kinos bestellt wurde.

Wann hast du die Liebe zum Kino entdeckt? Was sind deine ersten Erinnerungen?
Gegenüber den heutigen Verhältnissen glichen die Räumlichkeiten einer „Bruchbude“. Deshalb durfte ich bereits als kleines Kind so ziemlich alles tun, weil es nichts mehr zu ruinieren gab. Z.B. verwendete ich als Kleinkind eine Holzklebepresse, die damals für die Reparatur von Filmrissen verwendet wurde, als Spielzeugeisenbahn. In der Hauptschule durfte ich mich bereits als Vorführer verschiedener Filme meinen Klassenkameraden präsentieren und war sehr stolz auf diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Als Ende der 70er Jahre neue Projektoren angeschafft wurden, wurden diese nicht mehr von meinem Vater sondern nur mehr von mir bedient. Als mein Vater im Jahr 2000 starb, übernahm ich dessen Tätigkeit als Geschäftsführer des Kinos.

Welche Rolle spielt der österreichische Film in „deinem“ Kino?
Ein sehr große! Ich spiele fast jeden österreichischen Film, nicht nur jene, die auch international Beachtung erfahren.

Hat sich die Saalerweiterung positiv bemerkbar gemacht?
Ja, natürlich! Damit verbunden war eine wesentlich höhere Besucherfrequenz, ein deutliches Mehr an Beweglichkeit. Dennoch – es gibt noch einiges zu tun.
Gibt es Ideen für eine intensivere Belebung des Kinos?
Ideen gibt es viele! Ein Cafe in Verbindung mit dem Kino wäre sicherlich toll. Kommt Zeit, kommt Rat. Vieles hat sich geändert, was in früherer Zeit noch undenkbar war.

Das Kino befindet sich nunmehr auf dem neuesten Stand der Technik?
Ja, seit Anfang Juni existiert auch in Katsdorf das digitale Kino. Ab sofort können alle Filme, die in 3D erstellt wurden, auch in unserem Kino vorgeführt werden. Laut den mit dem Umbau betrauten Technikern ist unser System sogar besser ausgestattet, als jenes der Linzer Kinos!

Gibt es bezüglich des Kinos Wünsche an die Bevölkerung?
Ja sicher, dass möglichst viele Katsdorferinnen und Katsdorfer meine Vorstellungen besuchen!

Welche freizeitlichen Aktivitäten bestimmen sonst noch dein Leben?
So viele, dass ich fünf Leben bräuchte. Nur einige davon: alles rund um die Eisenbahn, Geschichte – ich bin momentan auf der Suche nach der seinerzeitigen Bahnstrecke zwischen Gaisbach und Mauthausen – in den Bergen wandern, fotografieren — und noch manches mehr. Aber ich habe derzeit keine Chance, diese in ausreichender Form ausüben zu können.

Du bist Jurist in der AK Linz? Ist die Situation für ArbeitnehmerInnen schwieriger geworden?
Ja, die Situation ist wesentlich schwieriger geworden. Die ArbeitnehmerInnen sind viel gestresster und Burn-out-gefährdeter als noch vor Jahren. Bezüglich Gerechtigkeit klafft bei vielen mittlerweile eine große Lücke zwischen Einkommen und aufzuwendender Lebenskosten. Nur, ich muss auch sagen: es gibt auch eine Reihe von Arbeitgebern, die durchaus ok sind, andererseits ArbeitnehmerInnen, deren Vertretungswünsche ich als problematisch bezeichnen würde.

Du warst mittlerweile auch schon 50. Welche Lehren ziehst du aus der Vergangenheit? Welche Vorsätze gibt`s für die Zukunft?
Nach meiner Scheidung habe ich versucht, mein Leben zu ordnen. Ein Grundsatz daraus war: Zeit! Zeit, jetzt zu leben, im Heute zu bleiben! Sich nicht mit dem morgen zu beschäftigen….!

Herzlichen Dank, Norbert, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Wir wünschen dir viel Kraft, damit du auch weiterhin mit dieser Power für das Kino tätig sein kannst!

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