Katsdorfer mit Herz – Pfarrer Josef Etzlstorfer

1939 in St. Oswald bei Freistadt geboren, leitet er seit nunmehr 27 Jahren als Pfarrer die Geschicke der katholischen Gemeinschaft in Katsdorf. Stets freundlich, keinesfalls polarisierend, sich nicht in die Alltagspolitik einmengend – so kennt und schätzt man ihn in unserer Gemeinde. Ewald Biermair war im Gespräch mit ihm.

Herr Pfarrer, glauben Sie – angesichts von Tatsachen wie weitverbreitete Kriegszustände, weltweite Unge- rechtigkeiten, Gier, vor allem aber die evolutionären Entwicklungen mit wissenschaftlichen Thesen verknüpft – noch an Gott?
Ja, natürlich. Zum Glauben gehören aber auch immer wieder Zweifel. Der Theologe Karl Rahner sagte einmal: „Glauben heißt nichts anderes, als die Unbeweglichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten.“ Die Schöpfung, die Begeg- nung mit vielen Wundern in unserem Makro- und Mikrokosmos – das alles übt Faszination auf mich aus.

Was hat Sie in Ihrer Jugend bewegt, sich dieser Berufung hinzugeben? Erzählen Sie uns ein wenig von Ihrem Werdegang.
In meinem christlichen Elternhaus war beten und der Kirchgang sehr wichtig. Nach der Matura im Jahr 1960 kam ich ins Stift St. Florian und wurde 1966 zum Priester geweiht. Ich war damals zwei Jahre Kaplan in Ansfelden und danach 15 Jahre im Stift tätig. 1985 wurde ich zum Pfarrer in Katsdorf bestellt.

Der Gedanke, eine eigene Familie zu gründen, stand nie im Raum?
Nein, eigentlich nie, auch wenn Alleinsein manchmal schwer auszuhalten ist. Aber ich denke, dass es in einer Beziehung auch nicht immer leicht ist. Die Verbindung zu Gott kann in dieser Form wahrscheinlich intensiver gelebt werden.

Was waren besonders schöne und positive Ereignisse, die Sie in Katsdorf erlebten? Welche haben Sie negativ in Erinnerung?
Eigentlich ist jedes kirchliche Ereignis ein Schönes und Wertvolles. An jene Messe in unserer Kirche, die 2001 im OÖ. Rundfunk übertragen wurde bzw. an die im Vorjahr vom Kirchenchor durchgeführte Krönungsmesse denke ich sehr gerne zurück. Auch die Inbetriebnahme des Kindergartens 1994 und die Kirchenrenovierung 2002 waren schöne Erlebnisse. Die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Pfarre möchte ich speziell lobend erwähnen. Tragische Todesfälle, jeder Kirchenaustritt, der wesentlich geringere Kirchenbesuch als früher – das sind die eher negativen Seiten.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich aus verschiedensten Gründen viele Menschen von der Kirche verabschiedet. Was sagen Sie denen?
Vielfach bleiben mir die Austrittsgründe verborgen. Meine Erfahrung zeigt, dass bei gefasstem Beschluss die Personen davon nicht mehr abzubringen sind. Auch wenn es schwer fällt, aber diese Freiheit muss man Ihnen lassen. Sehr selten – aber doch immer wieder – kommen Menschen auch wieder in den Kreis der Kirche zurück.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Gottesdienstbesuch in Katsdorf? Wie sehen Sie „die Frau“ in der Katholischen Kirche?
Die Kirchenbesuche sind seit der Zeit meines Antrittes um ca. 50% zurückgegangen. Das heißt, waren es zu meiner Anfangszeit noch etwa 600 Personen, die ich am Sonntag in der Kirche empfangen konnte, so sind es derzeit rund 300 Gläubige. Die Alten sterben – die Jungen rücken nicht mehr nach. Wenn Priester fehlen, sind Laien umso gefragter. Bezüglich Frauen – es gibt den Slogan: „Die“ Kirche ist weiblich. Die Frau hat viel mehr zu sagen, als früher. Das Diakonat für Frauen würde ich sehr begrüßen!

Sie waren sehr enttäuscht über den kürzlich verübten Vandalismus, der auch Ihre Kirche betroffen hat. Wie gehen Sie damit um?
Ich kann es nicht verstehen, dass derartige Sachen verübt werden. Es hat mich einfach geärgert! Geärgert hat mich aber auch, dass die OÖ. Nachrichten schrieben, dass ich die Entschuldigung nicht annahm, was nicht stimmt. Ich habe diese von den Burschen sehr wohl zur Kenntnis genommen! Positiv war jedenfalls, dass die Burschen bei der Reparatur der Mauer und des Daches fleißig mitgeholfen haben.

Hätten Sie nicht heuer in den Ruhestand treten wollen? Warum jetzt doch nicht? Wie sieht Ihre weitere Lebensplanung aus, Herr Pfarrer?
Wenn ich aufhöre, hat Katsdorf keinen Pfarrer mehr – und wird auch in absehbarer Zeit keinen mehr bekommen. Deshalb ist meine Lebensplanung kurz und bündig zu sehen: Gesund bleiben und weitermachen!

Herr Pfarrer, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen im Namen der SPÖ Katsdorf einen ruhigen und gesunden Geburtstag, den Sie in diesen Tagen feiern!

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